Vom Welpen zum Stöberhund auf Schwarzwild

Von Stefan Tluczykont

 

Dargestellt am Beispiel von Cindy aus der Bärenschlucht,

genannt „Maiden“

Wurfdatum: 2.5.2016; Zuchtbuchnummer: 20166
 

Auswahl der Elterntiere:

Wesentliches Ziel im Verein Plotthound e.V. ist die kontrollierte Zucht von Stöberhunden für die Jagd auf Schwarzwild. Im Fall von Maiden lagen dem Zuchtwart für insgesamt 10 von 14 in der Ahnentafel genannten Hunden Leistungsnachweise und persönliche Erfahrungen über die sehr gute Eignung der Hunde für die Schwarzwildjagd vor.

 

 

 

 

Die Aufzuchtphase beim Züchter:

Maiden wuchs im Zwinger „Aus der Bärenschlucht“ unter idealen Bedingungen auf. Die Welpen wurden von der Mutter hervorragend gepflegt und betreut und waren vom ersten Tag an Teil einer vielköpfigen Meute verschiedener Rassen. Ein gesundes Sozialverhalten wurde ihnen somit in die Wiege gelegt. Sie hatten täglich Kontakt zu Kindern und Erwachsenen aus der Familie wie auch von wechselnden Besuchern, da die Zwingeranlage am Rande des vom Züchter geführten Campingplatzgeländes liegt. Die Zwingeranlage bietet viel Auslauf und wird an einer Seite durch eine Felswand begrenzt, die den Hunden die Möglichkeit gibt, ihre ersten Ausflüge zu unternehmen. Der Züchter ist aktiver Schwarzwildjäger und prägte die Welpen vom ersten Tag durch die Bereitstellung von frischen Schwartenteilen etc. für ihren zukünftigen Einsatz. Die Hunde habe ich vor der Übernahme einmal besichtigt und mich versichert, dass der zu übernehmende Hunde ein aufgewecktes und neugieriges Welpenverhalten zeigt, wie übrigens alle Wurfmitglieder.

Die Welpen- und Junghundphase im Alter von 2 bis 6 Monaten:

Maiden verkraftete die Umstellung auf ihr neues Zuhause vergleichsweise schnell. Der im neuen Zuhause bereits vorhandene 10-jährige Deutsch-Langhaarrüde adoptierte sie schnell als neuen Schützling. Schon die erste Nacht verbrachte sie neben dem Rüden allein in ihrem neuen Zwinger ohne zu jaulen. Konditionierung von Namen und Hereinkommen auf Pfiff und Ruf per Lob und Leckerli gehörten vom ersten Tag zur täglichen Routine wie das unaufgeregte, aber bestimmte Abbrechen unerwünschter Verhaltensweisen. An die körperliche Leistungsfähigkeit des Welpen angepasste Reviergänge gehörten von Beginn an ebenfalls zu. Und natürlich habe ich die positive Schwarzwildprägung durch frische Schwartenteile oder Läufe zum Nagen fortgesetzt. Im Hinblick auf die beabsichtigte Absolvierung einer Schweißprüfung legte ich regelmäßig Futterschleppen. Nach 6 Wochen im neuen Zuhause wurde das Kommando „Sitz“ zum täglichen Begrüßungsritual am Morgen und später um das freie „Ablegen“ ergänzt.
Die Hündin zeigte sich von Beginn an sehr temperamentvoll und spielt und kämpft spielerisch unermüdlich mit dem Langhaarrüden, der sich fast alles gefallen lässt, aber auch mit gesunder Konsequenz das Spiel beendet. Auf Erziehungsmaßnahmen reagiert sie sofort durch Abbruch unerwünschten Verhaltens, jedoch ohne eingeschüchtert zu sein und ist dementsprechend sofort wieder arbeitsfähig.

 

Erster Gatterbesuch und erste Jagdsaison

Im Alter von 5 Monaten nahm ich mit Maiden an einer Schwarzwildgatterübung in Bad Berka in Thüringen teil. Sie wurde zunächst am Riemen an das Schwarzwild herangeführt. Da sie erhöhtes Interesse zeigte, wurde das Schwarzwild durch den Gattermeister in Bewegung gesetzt, um den Reiz für den Hund zu erhöhen.  Wir folgten den Schweinen noch am Riemen und der Hunde zeigte hohe Passion durch Lautgeben und Körpersprache. Schließlich schnallte ich und sie folgte hochpassioniert den Schweinen. Als diese sich stellten, hielt sie respektvollen Abstand, näherte sich aber selbständig ohne Einwirkung von außen. Als eine Sau den Hund attackierte, wich er aus, kehrte jedoch umgehend aus eigenem Antrieb zurück, woraufhin wir ihn überschwänglich lobend anleinten. Wir hatten für dieses Alter genug gesehen.

In der Saison 2016/17 nahm Maiden dann an 15 Schalenwildjagden mit Schwarzwildvorkommen teil. Ich gehe selbst immer als mittreibender Hundeführer mit den Hunden im Treiben. Ziel ist es, im Hund die Lust an der Schwarzwildjagd zu wecken und zu verfestigen. Ich versuche dies wie folgt zu erreichen:

1. Kontrolliertes Schnallen:

Der Hund wird so lange am Strick gelassen, bis man sicher ist, dass Schwarzwild im Einstand ist oder dass frische Schwarzwildfährten vorliegen. Wenn dies ständig so geschieht erfährt der Hund, was uns besonders wichtig ist. Wenn kein Schwarzwild vorhanden ist, bleibt der Hund am Strick ggf. auch bis zum Triebende.

2. Schnallen bei frisch erlegtem Schwarzwild

Der Hund wird geschnallt, wenn frisch erlegtes Schwarzwild aufgefunden wird. Wenn er selbst zum Stück geht, wird er am Stück überschwänglich gelobt und zum Rupfen an der Schwarte, Lautgeben  o.ä. animiert. Maiden zeigte ständig steigendes Interesse auch dann, wenn schon einige andere Hunde dort waren und das Schwein hielten.

3. Ignorieren anderer Wildarten

Nachdem Maiden geschnallt wurde, jagte sie natürlich auch Rehwild und anderes Wild. Kehrte sie dann zurück wurde sie fürs Zurückkommen gelobt. Das Auffinden erlegten Rehwilds ignoriere ich in dieser Phase jedoch gänzlich und ziehe sie sofort ruhig davon ab.

4. Laut, Orientierungssinn, sonstiges Verhalten

Maiden zeigte von Beginn an einen sehr korrekten Spur- und Fährtenlaut. Im ersten Jahr jagte sie passioniert jede Wildart. Ich konnte selbst miterleben, wie sie mit hoher Nase auch entferntere Einstände ansteuerte in denen Schwarzwild lag. Wenn sie am Ende des Treibens nicht wieder bei mir war, wurde sie von anderen Jagdteilnehmern zum Sammelplatz mitgebracht.

Jugendsichtung und 2. Gatterbesuch

Ende März absolvierte Maiden die Jugendsichtung und am nächsten Tag ihren 2. Besuch im Schwarzwildgatter in Bad Berka. Auf die Jugendsichtung wurde sie durch die Arbeit von 3 Schwarzwildschleppen gemäß Prüfungsordnung und das Üben von Zahnkontrolle und Leinenführigkeit vorbereitet. Sie bestand den Wesenstest am Schwarzwild problemlos mit 6 Punkten Auch bei der Formbewertung zeigte sie sich freundlich und kooperativ. Bei der Übung im Schwarzwildgatter fand sie die Sauen in sehr kurzer Zeit absolut selbstständig und verbellte sie anhaltend. Die in Bewegung gebrachten Sauen jagte sie passioniert und näherte sich auf weniger als 5m Abstand. Sauen, die sie attackierten, wich sie aus, um sich sofort wieder ohne Unterstützung von außen der sich stellenden Sau zu nähern.


Vorprüfung beim Verein Schwarzwälder Schweißhund

Um die Grundausbildung des Hundes abzurunden, begann ich nach Ende der ersten Drückjagdsaison, den Hund 6 Monate lang auf die Vorprüfung beim Verein Schwarzwälder Schweißhunde e.V. (Stehzeit mind. 20 Stunden; Fährtenschuh , 01 l Schweiß) vorzubereiten.

Um seine Motivation und jagdlichen Erfolgserlebnisse auf die Riemenarbeit mit dem Führer zu konzentrieren, durfte der Hund in dieser Zeit nicht frei jagen. Ab März habe ich im Abstand von 7 bis 10 Tagen Übungsfährten mit ständig steigender Länge und Schwierigkeitsgrad (Haken, Durchqueren von Einständen etc.) mit dem Fährtenschuh (natürlich ausnahmslos Schwarzwild) vorbereitet. Ab der 2. Fährte waren es ausnahmslos Übernachtfährten. Am Ende der Fährte bot ich immer die zu den Läufen gehörige frisch aufgetaute Schwarzwildschwarte mit Haupt an, um das Erfolgserlebnis möglichst groß zu gestalten sowie Nassfutter als Belohnung. Der Hund legte am Vortag eine Futterpause ein. Ebenso nutzte ich mehrere Möglichkeiten von Schwarzwildtodsuchen, um dem Hund möglichst reale Erfolgserlebnisse am Riemen zu bieten. Die Arbeit war von Erfolg gekrönt. Mitte September bestanden wir die Prüfung im 2. Preis. Die Prüfer waren einhellig begeistert von der ruhigen, fährtentreuen 
Arbeit der Hündin und dem deutlichen Verweisen von Verweiserpunkten.

Ende Oktober nun hat die zweite Drückjagdsaison für Maiden gleich gut begonnen. Mit den Treibern und Hunden gelang es, eine Rotte in einem Fichtenbürstenwuchs zu sprengen und Maiden hat eine Sau davon einem Schützen gebracht, der sie erlegen konnte. Sie jagte die gesamte Trieblänge von 2,5 Stunden immer wieder hörbar über einen Großteil des Treibens und wurde nach Ende der Jagd zum Sammelplatz zurückgebracht.

Fazit zu Maiden aus meiner Sicht bis heute:
Der Hund bringt alle Anlagen mit, die ein Stöberhund auf Schwarzwild benötigt.  Die gezielte Einarbeitung auf Schwarzwild trug sicherlich positiv dazu bei, Schwarzwild zumindest gleichwertig, wenn nicht jetzt schon bevorzugt zu jagen. Ich bin gespannt darauf, wie sie sich weiterentwickelt, insbesondere auch hinsichtlich des Verhaltens an sich stellendem Schwarzwild.

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